PRESSEINFORMATION | 29. SEPTEMBER 2016

Netzwerke der Kontrolle: Wie unser Alltag von Firmen digital durchleuchtet und analysiert wird

Wiener Autoren-Duo veröffentlicht eine umfassende Untersuchung über unsere Privatsphäre im Zeitalter von Smartphones, Online Tracking, Big Data und Internet der Dinge. Die Studie zeigt, wie Netzwerke aus Internet- und Datenhandelsfirmen Informationen über die gesamte Bevölkerung sammeln, austauschen und einsetzen, und ist ab 29. September unter dem Titel „Networks of Control“ als Buch erhältlich.

Networks of Control. A Report on Corporate Surveillance, Digital Tracking, Big Data & Privacy
Authors: Wolfie Christl and Sarah Spiekermann. Publisher: Facultas, Vienna
Pages: 165. Language: English. On sale: September 29, 2016
Price: € 19. ISBN 978-3-7089-1473-2

Was mit unseren Daten passiert. Die gesammelten Daten werden von Unternehmen dazu eingesetzt, Menschen zu kategorisieren, einzuschätzen und zu bewerten – entlang ihrer Interessen, Abneigungen, Wünsche und Schwächen bis hin zu ihrem Gesundheitszustand und ihrer Kreditwürdigkeit. Daraus ergeben sich Diskriminierungspraktiken, die bis zum Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen reichen. Regelmäßig werden automatisierte Entscheidungen getroffen, ob und zu welchen Konditionen man beispielsweise einen Kredit oder einen Job bekommt. Automatisierte Entscheidungen über Individuen auf Basis ihrer Daten bedrohen damit nicht nur die Privatsphäre, sondern demokratische Grundwerte wie Freiheit, Autonomie und Menschenwürde. Die Nutzung umfassender Datenprofile unter Einbeziehung alltäglicher digitaler Spuren für lebensentscheidende Fragen in Bereichen wie Versicherung, Finanzen und Arbeitsleben ist international bereits Realität.

Die Studie basiert auf jahrelanger systematischer Analyse. Datenhandelsfirmen arbeiten höchst intransparent und halten die Details über ihre Praktiken geheim. Die Untersuchung von Wolfie Christl und Sarah Spiekermann basiert auf der akribischen Auswertung und Zusammenfassung zahlreicher Publikationen, Forschungsberichte, Zeitungsartikel und unzähligen anderen Quellen. Sie bezieht Informationen von hunderten Firmen-Websites, Broschüren und Datenkatalogen mit ein. In der Zusammenschau wird das dramatische Ausmaß kommerzieller digitaler Überwachung sichtbar.

Die Studie ist das Ergebnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen engagiertem Netzaktivismus und universitärer Forschung. Wolfie Christl hat schon 2014 eine Studie zum Thema veröffentlicht. Nun haben er und Sarah Spiekermann fast ein Jahr lang gemeinsam an einer massiv erweiterten englischsprachigen Fassung gearbeitet. Das Ergebnis wird im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des neuen „Privacy and Sustainable Computing Lab“ am 30. September 2016 an der Wirtschaftsuniversität Wien vorgestellt – in Anwesenheit prominenter Gäste wie Max Schrems, Anna Fielder (Vorsitzende von „Privacy International“), Udo Helmbrecht (Direktor der EU-Agentur für Netz- und Informationssicherheit ENISA) und Vertretern relevanter internationaler Organisationen wie IEEE und W3C.

 

Die Autoren

Wolfie Christl ist Netzaktivist, Programmierer, Leiter von „Cracked Labs“, einem unabhängigen „Institut für kritische digitale Kultur“ in Wien, und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Privatsphäre und Überwachung. Er hat das vielfach ausgezeichnete didaktische Computerspiel „Data Dealer“ zum Thema mitinitiiert, für große deutschsprachige Zeitungen geschrieben, unzählige Vorträge in ganz Europa gehalten und wurde in der New York Times und in anderen globalen Medien zitiert.
http://wolfie.crackedlabs.org

Prof. Dr. Sarah Spiekermann lehrt und forscht an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien), wo sie dem Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik vorsteht. Sie hat eine Vielzahl von wissenschaftlichen Artikeln im Bereich der werteorientierten, nachhaltigen IT-Gestaltung veröffentlicht, insbesondere zum Thema Privacy und Kontrolle.

https://www.wu.ac.at/ec/team/sarah-spiekermann